Schon der Name ist ein Understatement: e7 heisst das Browserspiel, und es ist ein so genannter Side-Scroller, ein 2D-Adventure der etwas anderen Art. Kein hüpfender Super Mario spielt die Hauptrolle, sondern eine einsame kleine Raumkapsel, die, vom Mutterschiff auf einem seltsamen Planeten ausgesetzt, eine auf die Erde gerichtete Riesenbombe finden und entschärfen soll.

Und das ist leichter gesagt als getan. Der Planet besteht aus Gummi und ist mit Hindernissen gepflastert: Hier lauern scharfkantige Klippen, an denen die Kapsel zu zerschellen droht, da patrouillieren feindliche Jäger, deren Laser das Miniraumschiff zerstören können. Die Raumkapsel wird mit den Pfeiltasten gesteuert: Rechts und links lassen sie sanft gleiten, Pfeiltaste nach unten presst sie in den elastischen Planetenboden hinein, Loslassen lässt sie hochspringen, um Hindernisse zu überwinden oder feindliche Raumkreuzer zu rammen.

Das Gameplay ist innovativ und erfordert einiges an Geschick, aber am auffälligsten ist das Artwork: Die minimalistische, in dunklen Farbtönen gehaltene Szenerie ist hoch ästhetisch, der Soundtrack – eine kleine, gedehnte, sich in Windböen verlierende Klaviermelodie – vermittelt die Angespanntheit und die tapfere Zuversicht des einsamen Piloten auf seiner explosiven Weltraummission. Mit einem Wort: e7 ist ein Spiel, dessen Ingredienzien von vielen Games her bekannt sind, doch Spielidee, Plot und Artwork sind überraschend, originell und von einer Qualität, die bei casual games selten zu finden ist.

e7 ist das Werk des 18-jährigen Berner Gymnasiasten Jonas Richner. Grenzen mag Richner gar nicht. Nicht in der Musik – am Klavier spielt er klassische Musik ebenso gern wie Jazz und Pop. Und nicht beim Spielen – beim Gamen mag er jene Titel am liebsten, die sich zwischen den Genres bewegen. Ich treffe Jonas Richner in einem lauten, voll besetzten Berner Café.

twb: Jonas Richner – kennen Sie Pong?

JR: Ja, sicher. Das erste Spiel, das um 1970 herausgekommen ist.

twb: Wie kommt das? Pong ist mehr als doppelt so alt wie Sie!

JR: Dieses Spiel ist sehr berühmt, und davon habe ich auch schon ein Remake gemacht. Ich spiele es immer noch (lacht).

twb: Welches Game spielen Sie im Augenblick?

JR: Im Augenblick spiele ich „Minecraft“, das Indie-Hitspiel des Jahres.

twb: Worum geht’s dabei?

JR: Man kann es auf www.minecraft.net spielen, und es hat im Grunde gar kein Ziel. Es ist eine offene Welt, in der man Monster tötet und Sachen baut.

twb: Welches Spiel ist Ihr all-time favourite?

JR: Age of Empires II.

twb: Der Schritt vom Spielen zum Programmieren ist ein riesiger – wie sind Sie dazu gekommen?

JR: Durch Age of Empires. Dieses Spiel hat die Option, selbst Kampagnen zu erstellen, und das hat mir Spass gemacht. Dann gibt es auch eine Age-of-Empires-Scriptsprache, mit der man zwar nicht wirklich programmieren, aber Levels kreieren kann. Später habe ich Adobe Flash entdeckt und angefangen, die Flash-Programmiersprache Actionscript 3 zu lernen.

twb: Sie besuchen das Gymnasium Köniz-Lerbermatt. Lernen und Programmieren, wie verträgt sich das? Schlafen Sie gelegentlich?

JR: (lacht) Sicher, ja. Das Spiel e7 habe ich hauptsächlich in den letzten Sommerferien kreiert.

twb: Wovon handelt e7?

JR: Man landet auf einem fremden Planeten und erkundet ihn auf einer Mission, die Erde zu retten. Und dabei lernt man die speziellen Eigenschaften des Planeten kennen.

twb: Besondere Eigenschaften in der Tat – der Planet besteht aus Gummi und hat die Konsistenz eines Wasserbetts.

JR: Ähnlich wie ein Wasserbett, genau. Man kann das Terrain, den Boden, deformieren.

twb: Wie kamen Sie auf die Idee? Haben Sie ein Wasserbett?

JR: (lacht) Nein. Die Idee kam einfach, da gibt es keinen besonderen Grund.

twb: e7 ist ein Game, aber es ist nicht nur ein Programm. Es ist auch Kunst – die Grafik, der Soundtrack, alles made by Jonas Richner?

JR: Musik, Grafik und game engine ja. Nur die sound effects habe ich nicht ganz alle selbst gemacht. Den Wind zum Beispiel habe von einer Site heruntergeladen, die solche Geräusche frei zur Verfügung stellt.

twb: Piano gespielt haben Sie selber.

JR: Genau. Die Musik habe ich selber komponiert, gespielt und aufgenommen.

twb: Mit e7 haben Sie das Finale des Independent Games Festival (IGF) erreicht, das dieses Jahr in San Francisco stattgefunden hat. Waren Sie da?

JR: Ja, dieses Jahr war ich eine Woche lang in San Francisco an der Game Developers Conference (GDC).

twb: Entspricht ja nicht gerade dem Gymnasiasten-Alltag, so mal eben nach San Francisco zu fliegen, nicht?

JR: Ja, es war schon eine sehr gute und lehrreiche Erfahrung. Ich habe wirklich sehr viel über das game business gelernt und viele spannende Leute getroffen.

twb: Nochmal von vorn: Sie haben in den Sommerferien ein Game geschrieben. Das haben Sie im August 2010 im Web publiziert – und dann? Was ist dann passiert?

JR: Ich habe es veröffentlicht, damit man es gratis im Web spielen kann. So haben es dann verschiedene Flash-Portale in ihr Angebot aufgenommen, und das Spiel wurde mittlerweile gegen drei Millionen Mal gespielt. Ich habe auch beim IGF mitgemacht, und da wurde es zusammen mit sieben anderen als Best Student’s Game nominiert.

twb: Und danach, als Sie zurückgekommen sind – haben Ihnen da Ihre Schule, Ihre Freunde einen triumphalen Empfang bereitet?

JR: (lacht) Triumphal – nein. Normal. Aber es war schon eine gute Erfahrung.

twb: Sie haben zwar das Finale erreicht, aber den ersten Preis hat Ihnen mit „Fract“ die University of Montreal weggeschnappt. Enttäuscht?

JR: Nein, eigentlich nicht. Denn alle acht Spiele, die da nominiert worden sind, waren sehr gut, und  das Spiel, das gewonnen hat, hat es wirklich verdient.

twb: Werden Sie e7 weiterentwickeln?

JR: Ich werde es wahrscheinlich nicht selbst weiterentwickeln, aber vielleicht wird es auf Mobile-Plattformen portiert.

twb: Woran arbeiten Sie jetzt gerade?

JR: Jetzt gerade arbeite ich an der Matura. Im Juli werde ich abschliessen.

twb: Und was nehmen Sie als nächstes in Angriff?

JR: Ein Studium an der ETH Zürich, in Informatik.

twb: Und welches Game schreiben Sie als nächstes?

JR: Keine Ahnung (lacht).

Interview: Thomas Weibel .

Hier kann das Interview gehört werden.


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